Stefanie Hehn ist seit kurzem Master Sommelier. Gerade mal 267 Menschen auf der ganzen Welt tragen diesen begehrten Titel. Ein Gespräch über Riesling, Einzellagen in Barolo und den Vorteil eines klaren Kopfes.

Stefanie, die Durchfallquote bei der Prüfung zum Master Sommelier liegt jenseits der 95 Prozent. Warum tut man sich so etwas an?
Darüber habe ich gar nicht nachgedacht sondern es als Ansporn gesehen. Je limitierter etwas ist, desto besser kann man sich damit positionieren.

Wie lange hast du gelernt?
2012 waren meine ersten Prüfungen, den Master habe ich dann 2017 erstmals versucht. Das ging leider schief.

Wie hast du dich motiviert, weiter zu machen?
Nach der Prüfung gab es ein Feedback-Gespräch. In diesem hat man mir gesagt, dass ich auf einem extrem guten Weg bin. Da dachte ich mir: nee, das klappt schon! Außerdem hatte ich zwischendurch immer wieder Erfolgserlebnisse bei den Blind Tastings.

Gab es auch Momente der Verzweiflung, bei denen du ans Aufgeben gedacht hast?
Nicht wirklich. Ich liebe, was ich tue. Selbst Dinge, die mich zuerst nicht interessiert haben, wurden spannend, wenn ich mich mit ihnen beschäftigt habe.

Stefanie Hehn, Sommelier
Sommelière Stefanie Hehn darf sich nun Master Sommelier nennen.

 

Wie läuft die Vorbereitung auf die Prüfung denn ab?
Im Prinzip wie bei einem Fernstudium. Es gibt ein Buch, digitale Unterlagen und eine Art Lehrplan. Aber das ist nicht alles, du kannst nichts, aber auch gar nichts, weglassen. Ich habe zum Beispiel alle Einzellagen aus Barolo und Barbaresco mit ihren Besitzern gelernt.

Und dann die Prüfung…
Ja, die ist beim Master komplett mündlich. Dann das Tasting, bei dem ich in 25 Minuten sechs Weine beschreiben und erkennen musste und schließlich der Service-Teil. Man muss überall mindestens 75 Prozent erreichen, um zu bestehen.

Was haben denn deine Gäste davon, von einem Master Sommelier bedient zu werden?
Die Gäste können mit noch so exotischen Wünschen zu mir kommen, ich kann zu allem was empfehlen. Durch das breite Wissen, das ich mir für den Master angeeignet habe, kann ich wirklich die ganze Weinwelt abdecken.

Und was hat dein Arbeitgeber, das Hotel Fontenay davon?
Vor allem ist der Titel ein großes Marketing-Tool, wir hatten viel Presse hier seit Oktober. Und ich kann beim Einkauf von Weinen extrem gut verhandeln, auf Deutsch und Englisch. Denn auf vermeintliche Schnäppchen falle ich nicht mehr herein.

Was würdest du Kolleginnen und Kollegen empfehlen, die den Titel ebenfalls anstreben?
Akzeptiere, dass du alles lernen musst. Wirklich alles. Man darf sich nicht selbst bedauern. Hör auf zu trinken, was du immer trinkst. Ich habe zum Beispiel aufgehört, im Restaurant Riesling zu bestellen. Probiere immer was Neues. Und üben, üben, üben. Aber ganz wichtig ist es, den Ausgleich nicht zu vergessen. Ich habe während der Vorbereitung viel Sport gemacht und auf meine Ernährung geachtet. Wenn du körperlich und geistig nicht fit bist, packst du das nicht. Schenke dir zum Lernen kein Glas Wein ein. Ich habe in den letzten vier Jahren privat kaum Alkohol getrunken, weil ich Angst hatte, durch den Kater am nächsten Morgen einen Tag zu verlieren.

Was ist das Spannendste, auf das du während der vergangenen Jahre gestoßen bist?
Chardonnay aus dem Beaujolais, da war ich echt überrascht.

Die 35-jährige Stefanie Hehn MS ist Chef-Sommelière im Hamburger Hotel The Fontenay. Sie ist verantwortlich für die Restaurants „Lakeside“ und „Parkview“ sowie die Fontenay Bar und das Atrium.